Mensch.

Wort.

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Bild H.Ö.
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Mitternacht



 

 

 Nun saß sie da, so unwirklich schön und zerbrechlich zugleich in ihrem Bett, mit leicht verängstigt aufgerissen Augen.
Die dunklen Schatten um die Augen blieben in der Nacht verborgen, den leichten zynischen Zug um ihren Mundwinkel konnte man vielleicht nur erahnen, wenn sie sprechen würde, doch sie schwieg.

Das Schweigen galt der Nacht und sich selbst, ihr Atmen ging unregelmäßig und wieder ließ sie ihren Blick durch den Raum schweifen, fast so, als würde sie jemanden in den Schatten, die sich ruhelos bewegten, suchen.
Vielleicht war sie auch nur auf der Suche nach Antworten, ich wusste es nicht, denn ich, die diese Geschichte erzählt, bin nur eine Beobachterin.

Ich studiere das Objekt meiner Begierde. Diese Vollkommenheit des Augenblicks. Ich atmete im Einklang mit ihr, fühlte mich als ein Stück von einem Ganzen. Das abendliche Ritual meines Lebens. Wichtig wie das Blut in meinem Körper, das durch meine Adern floss, um zu existieren.

Was mochte nun kommen, fragte ich mich und wagte nicht auch nur einen Bruchteil einer Sekunde wegzusehen.
Ich sah in ihrem Gesicht die Müdigkeit, die Bände sprach, sah wie einsam sie wirklich war, wie sehr sie sich nach Geborgenheit und Zärtlichkeit sehnte.
Ja, sie sehnte sich und niemand konnte diese Sehnsucht befriedigen, außer ihr selbst und das wusste sie nicht einmal.

Aber ich wusste es, ich hatte sie oft in solchen Situationen erblickt, hatte die Traurigkeit in ihren Augen gesehen, die sie umgab, wusste aber, wie beruhigt sie aussehen konnte, wenn sie sich fallen ließ.
Ich biss auf meinen Fingerknöcheln herum, ich musste still sein, damit sie nichts bemerkte. Mein Verlangen nach ihr war groß, ich zitterte, wartete geduldig und sah endlich, wie sie sich tiefer ins Bettinnere begab.

Etwas verunsichert und mit einem tiefen Atemzug schloss sie die Augen, die Decke hatte sie nur zwischen ihren nackten Beinen platziert.
Es war ihre Lieblingsposition, sie schlief immer so ein. Wie gut ich sie doch kannte.
Etwas Wehmut breitete sich in mir aus, sie wusste nichts von mir und doch war ich dazu verdammt, mich fast jede Nacht an ihr Fenster zu begeben und sie in ihren Schlaf zu begleiten, mal alleine mit ihren Gedanken und mal teilte ich sie mit jemandem aus ihrer Welt, es behagte mir nicht, machte mir keine Freude, aber auch das akzeptierte ich.
Ich rieb meinen Oberarm, als ob er schmerzte, und streifte den Ärmel meiner Bluse hoch.
Ich wollte mein eigenes Fleisch spüren, schloss meine Augen und stellte mir vor, wie es wäre, wenn sie mich anfassen würde.

Etwas mit ihr war geschehen, immer wieder hörte man die leichten und doch kurzen Atemstöße.
Man sah es ihr an, dass sie an jemanden dachte, sie wünschte sich weit weg, ihr Gesichtsausdruck verriet sie.
Langsam schob sie die Decke von sich fort und begann sich zu berühren, erst ganz sachte, kaum wahrnehmbar, streichelte ihr Gesicht und glitt mit den Fingerkuppen ihren Hals entlang.
Ein tiefes Seufzen entkam aus ihrem Mund. Leichtes Stöhnen, oder war das eher ein befreiendes Aufatmen? Ich konnte es nicht zuordnen. Die Augen waren immer noch geschlossen.
An wen dachte sie, als sie in diesem Bett lag? Kaum bekleidet, mit einem Hauch von Nichts.

Ich wagte einen Schritt weiter zu gehen, noch näher an das Fenster, vergaß das Risiko, in dem ich mich freiwillig hinein manövrierte.
Heute Nacht war es anders, als die Nächte davor.
Das sah ich. Nicht nur ich spürte es.
Sie vereinte sich in ihrer Fantasie mit dem Geschöpf ihrer Zuneigung und ich teilte sie…





© Alma September

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